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PUBLIKATIONEN & HERAUSGEBERSCHAFTEN

Cover: Hanauer Geschichtsverein 1844

Foto: Medienzentrum Hanau (MZHU 5780 Porträt Dr. Eugen Gebeschus)

Cover: Hanauer Geschichtsverein 1844

DISSERTATION

 

Jede Stadt braucht ihr Gesicht«. Der Wiederaufbau der Stadt Hanau nach 1945 – Zwei Dekaden zwischen Zerstörung und Urbanität (= Hanauer Geschichtsblätter 49), Hanau 2015 [Ausgezeichnet mit dem Otto-Borst-Preis 2015].

 

Mit einem amtlichen Zerstörungsgrad von 70,14 Prozent war Hanau prozentual die am stärksten zerstörte Stadt im neugeschaffenen Bundesland Hessen. Ungeachtet der erheblichen Schäden bauten die Hanauer und Hanauerinnen ihre Heimatstadt wieder auf.

Dr. Markus Häfner (Jahrgang 1980) hat im Rahmen seiner Dissertation in umfassender Archivarbeit und Literaturauswertung die Wiederaufbauphase der Stadt Hanau erstmals detailliert aufgearbeitet und analysiert. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob sehr stark zerstörte Mittelstädte andere Wege im Wiederaufbau beschritten, als die von der Wissenschaft gut erforschten Großstädte.

In sechs Kapiteln führt er in die Wiederaufbauthematik ein, stellt die städtebauliche Struktur Hanaus und deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg dar und analysiert die Planungen für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Besonders macht den Hanauer Fall die Tatsache, dass die Wiederaufbauplanungen bereits 1947/48 – und damit vor dem Inkrafttreten des Hessischen Aufbaugesetzes – abgeschlossen waren. Zudem bestand kein zusammenhängender Aufbauplan, sondern mehrere Teilpläne, die in den folgenden Jahren an die Bedürfnisse der Zeit angepasst wurden.

Die beiden größten Kapitel widmen sich den Baumaßnahmen seit 1945 bis in die Mitte der 1960er Jahre. Dabei umfasst der erste Abschnitt die Maßnahmen zur Instandsetzung leichter Schäden an wichtigen öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen oder Industriebetrieben sowie die Schaffung zahlreicher notdürftiger Wohnungen und die für den planmäßigen Wiederaufbau notwendigen Enttrümmerungs- und Trümmerverwertungsmaßnahmen.

Den größten Raum in der Veröffentlichung nimmt die Zeitspanne von 1950 bis zur Mitte der 1960er Jahre ein, in der Hanau die zerstörten Bauwerke meist durch funktionale Neubauten ersetzte oder die erhaltene Bausubstanz mit einer modernen Innenraumkonzeption neuartig zu nutzen suchte. Dabei zeichnet die Arbeit ein breites Bild der Wiederaufbauaufgaben und beschränkt sich nicht nur auf die gängigerweise untersuchten Phänomene wie den Umgang mit historischer Bausubstanz, den Wiederaufbau der Innenstädte, die Wiederaufbauplanungen und den Wohnungsbau, sondern bezieht darüber hinaus von der Forschung meist stiefmütterlich behandelte Bauaufgaben wie die Instandsetzung und den Wiederaufbau von Krankenhäusern, Altenstiften, Schulen, Kinos, Sportstätten, Gewerbe- und Industriebetrieben, Behördenbauten, Versorgungs- und Verwaltungseinrichtungen (Energieversorger, Schlachthof, Hafen oder Banken) mit ein.

Die Darstellung der Bauaufgaben ist in die jeweiligen sozialen und gesellschaftlichen Fragestellungen und Ereignisse der Zeit einpasst. So erläutert Häfner in einzelnen Abschnitten den politischen und kulturellen Wiederaufbau, die Maßnahmen zur Enttrümmerung, die Bestrebungen zur Neuordnung des Verkehrswesens, die Bemühungen zur Finanzierung der Bauaufgaben, das Wohnen im Wiederaufbau, die Belebung des kulturellen Lebens durch die wiederaufblühende Vereinstätigkeit ebenso wie die Kritik an den Baumaßnahmen.

Den mehreren Synthesekapiteln wird die Hanauer Vorgehensweise mit dem bundesdeutschen Kontext und insbesondere den drei hessischen Städten Darmstadt, Gießen und Kassel verglichen. Abschließend werden die Besonderheiten des Hanauer Wiederaufbaus im Vergleich zur bundesdeutschen Wiederaufbaugeschichte herausgestellt: Insbesondere den frühzeitigen Abschluss der Wiederaufbauplanungen und ein gesondertes Aufbaumodell, den funktionalen Anpassungsneubau, der jede Baumaßnahme hinsichtlich Funktionalität und Wirtschaftlichkeit des Bauwerks bewertete, charakterisieren die Hanauer Vorgehensweise. Ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie zahlreiche Abbildungen runden die Publikation ab.

 

ISBN 978-3-935395-23-X

816 Seiten, 165 s/w-Abbildungen, teilw. farbig, Verkaufspreis: 30 €.

Die Publikation kann über den Hanauer Geschichtsverein und das Stadtarchiv Hanau sowie im Buchhandel bezogen werden.

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FORSCHUNGSVORHABEN: Eugen Gebeschus

 

Im Rahmen der Verleihung des Stipendiums »Hanauer Stadthistoriker« für die Jahre 2014/15 forsche ich über die Stadtentwicklung der heutigen Brüder-Grimm-Stadt in der Amtszeit von Dr. Eugen Gebeschus zwischen 1893 und 1916. Gebeschus hinterließ eine über 600-seitige handschriftliche Lebensgeschichte, in der er nahezu alle Stationen seines Lebens streift: Elternhaus, Kindheit, Studium, Tätigkeit als Anwalt und (Ober-)Bürgermeister.

 

Aus den Quellen entsteht ein gesellschaftliches, wirtschaftliches und soziales Bild Hanaus und seiner Entwicklung während Gebeschus' Wirkenszeit. Vier wegweisende Entwicklungen prägten seine Amtszeit: Im Osten der Stadt wurden neue Industrieflächen ausgewiesen, auf denen die Großunternehmen Dunlop, Heraeus und Brüning (später Degussa) ihre Produktionsstätten errichteten. Den Hanauer Verantwortlichen gelang es dabei, ausländische Unternehmen wie Dunlop zu bewegen, die erste Betriebsstätte auf dem Kontinent in Hanau zu bauen. Neben dem Ausbau Hanaus zur Industriestadt gelang es Gebeschus durch die Vermittlung der Stationierung zweier Eisenbahnregimenter aus Berlin im Hanauer Norden die Stadt ebenso zum Garnisonsstandort zu machen. Beide Entwicklungen stießen den Bau neuer Wohnungen an, woraus sich die heutigen Freigericht- und Lamboyviertel in Nähe der Industrieunternehmen bzw. Kasernen entwickelten. Steigende Bevölkerungszahlen und größere Distanzen zwischen den Stadtvierteln führten ebenso zur Schaffung eines ÖPNV. So fuhr 1908 die erste Straßenbahn durch Hanau. Doch die freien Bauflächen des stürmisch wachsenden Hanaus waren begrenzt. So verhandelte Gebeschus in weiser Voraussicht mit dem Kesselstädter Bürgermeister Wilhelm Geibel über die Eingemeindung der westlich von Hanau liegenden Gemeinde. Die 1907 getroffene Vereinbarung zur Eingliederung war für beide eine Win-Win-Situation: Kesselstadt wurde an die städtische Kanalisation und Energieversorgung angeschlossen und Hanau erhielt große Bauflächen im Westen.

 

Erste Forschungsergebnisse wurden in Form mehrerer Vorträge und einer Ausstellung 2016 vorgestellt. Eine Monographie mit umfangreichem Bildmaterial ist in Vorbereitung.

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AUFSÄTZE (HISTORISCHE BEITRÄGE)

 

  • „Aufbau nur über Zerstörung!“ – Debatten über den Umgang mit beschädigter oder zerstörter Bausubstanz nach dem Zweiten Weltkrieg und die Entscheidungsfaktoren für oder gegen einen Wiederaufbau: Das Beispiel Hanau, in: Forum Stadt/Die alte Stadt 41 (2016), S. 243-260.
  • Sechs Städte im Luftkrieg – eine Erinnerung?, in: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2016, S. 171-203.
  • Displaced Persons in Hanau: Rückführung und Integration, in: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2016, S. 204-215.
  • Die Integration von Heimatvertriebenen und (Sowjetzonen-)Flüchtlingen in Hanau nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2016, S. 216-231.
  • Zur Problematik der Gestaltung des Freiheitsplatzes, Hanau 2010 [Onlinepublikation, URL: http://www.hanau.de/lih/portrait/geschichte/freiheitsplatz/].
  • Der Wiederaufbau der deutschen Mittelstädte nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel der Stadt Hanau, in: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2009/I, S. 1-244 [kompletter Teilband I - Veröffentlichung der Magisterarbeit].
  • Der Wiederaufbau der deutschen Mittelstädte nach 1945 und seine Bedeutung für die heutige Stadtplanung am Beispiel Hanau, in: Die alte Stadt 36 (2009), S. 461-474.
  • Reich - Republik - Diktatur. Kesselstadt von der Eingemeindung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1907-1945), in: Kesselstadt. 950 Jahre Ersterwähnung. Schlaglichter auf zwei Jahrtausende, hg. v. Richard Schaffer-Hartmann (= Stadtzeit 7), Hanau 2009, S. 152-175.
  • Verwaltungszentrum und Notquartier. Kesselstadt in den Jahren des Wiederaufbaus (1945-1958), in: Kesselstadt. 950 Jahre Ersterwähnung. Schlaglichter auf zwei Jahrtausende, hg. v. Richard Schaffer-Hartmann (= Stadtzeit 7), Hanau 2009, S. 176-189.
  • Licht, Wärme, Wasser und Verkehr. Zur Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs und der Energieversorgung in Kesselstadt, in: Kesselstadt. 950 Jahre Ersterwähnung. Schlaglichter auf zwei Jahrtausende, hg. v. Richard Schaffer-Hartmann (= Stadtzeit 7), Hanau 2009, S. 190-199.
  • Kesselstädter Industrie, Gewerbe und Geschäfte im 20. Jahrhundert, in: Kesselstadt. 950 Jahre Ersterwähnung. Schlaglichter auf zwei Jahrtausende, hg. v. Richard Schaffer-Hartmann (= Stadtzeit 7), Hanau 2009, S. 200-211.
  • Kesselstädter Vereinsleben, in: Kesselstadt. 950 Jahre Ersterwähnung. Schlaglichter auf zwei Jahrtausende, hg. v. Richard Schaffer-Hartmann (= Stadtzeit 7), Hanau 2009, S. 212-231.
  • Burg Kesselstadt. Vom Westerfeldschen Gut über die Villa Christ zum Olof-Palme-Haus, in: Kesselstadt. 950 Jahre Ersterwähnung. Schlaglichter auf zwei Jahrtausende, hg. v. Richard Schaffer-Hartmann (= Stadtzeit 7), Hanau 2009, S. 306-313.

 

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AUFSÄTZE (MEDIENDIDAKTIK / ELEARNING)

 

  • IG Farben-Haus 3D (IGF3D) - Das Studium spielerisch erkunden, in: GML² 2014. Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens [Tagungsband], hg. v. Nicolas Apostolopoulos u.a., Münster 2014, S. 134-144.
  • Poelzig-Bau 3D. Ein interaktives 3D-Modell als multimediales Informationssystem, in: E-Learning zwischen Vision und Alltag, hg. v. Claudia Bremer und Detlef Krömker (= Medien in der Wissenschaft 64), Münster u.a. 2013, S. 246-252 [Download über den Waxmann-Verlag].

 

 

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HERAUSGEBERSCHAFTEN

 

  • Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2015-2017 [zusammen mit Michael H. Sprenger]
  • Nachrichten aus einer unruhigen Zeit. Hanau in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, hg. v. Markus Häfner und Michael H. Sprenger (= Hanauer Geschichtsblätter 50), Hanau 2016 [Satz und Layout: Markus Häfner].
  • Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2014 [zusammen mit Martin Hoppe]
  • Hanau in der Epoche Napoleons, hg. v. Erhard Bus, Markus Häfner und Martin Hoppe (= Hanauer Geschichtsblätter 47), Hanau 2014.
  • Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2013 [zusammen mit Martin Hoppe]
  • Nadine Zimmer, Die "vergessenen" Gräber von Galgenbruch und Teufelskaute - Hügelgräberbronze- und urnenfelderzeitliche Grabfunde von Hanau-Steinheim und Mühlheim-Dietesheim (= Hanauer Schriften zur Archäologie und Geschichte 4), Hanau 2011 [Satz und Layout: Markus Häfner].

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