Dissertation

Dr. Markus Häfner

»JEDE STADT BRAUCHT IHR GESICHT«

Cover: Hanauer Geschichtsverein 1844

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Jede Stadt braucht ihr Gesicht«. Der Wiederaufbau der Stadt Hanau nach 1945 – Zwei Dekaden zwischen Zerstörung und Urbanität (= Hanauer Geschichtsblätter 49), Hanau 2015 [Ausgezeichnet mit dem Otto-Borst-Preis 2015].

 

ISBN 978-3-935395-23-X

816 Seiten, 165 s/w-Abbildungen, teilw. farbig, Verkaufspreis: 30 €.

Die Publikation kann über den Hanauer Geschichtsverein und das Stadtarchiv Hanau sowie im Buchhandel bezogen werden.

 

 

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KURZZUSAMMENFASSUNG

 

Mit einem amtlichen Zerstörungsgrad von 70,14 Prozent war Hanau prozentual die am stärksten zerstörte Stadt im neugeschaffenen Bundesland Hessen. Ungeachtet der erheblichen Schäden bauten die Hanauer und Hanauerinnen ihre Heimatstadt wieder auf.

 

Dr. Markus Häfner (Jahrgang 1980) hat im Rahmen seiner Dissertation in umfassender Archivarbeit und Literaturauswertung die Wiederaufbauphase der Stadt Hanau erstmals detailliert aufgearbeitet und analysiert. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob sehr stark zerstörte Mittelstädte andere Wege im Wiederaufbau beschritten, als die von der Wissenschaft gut erforschten Großstädte.

 

In sechs Kapiteln führt er in die Wiederaufbauthematik ein, stellt die städtebauliche Struktur Hanaus und deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg dar und analysiert die Planungen für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Besonders macht den Hanauer Fall die Tatsache, dass die Wiederaufbauplanungen bereits 1947/48 – und damit vor dem Inkrafttreten des Hessischen Aufbaugesetzes – abgeschlossen waren. Zudem bestand kein zusammenhängender Aufbauplan, sondern mehrere Teilpläne, die in den folgenden Jahren an die Bedürfnisse der Zeit angepasst wurden.

 

Die beiden größten Kapitel widmen sich den Baumaßnahmen seit 1945 bis in die Mitte der 1960er Jahre. Dabei umfasst der erste Abschnitt die Maßnahmen zur Instandsetzung leichter Schäden an wichtigen öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen oder Industriebetrieben sowie die Schaffung zahlreicher notdürftiger Wohnungen und die für den planmäßigen Wiederaufbau notwendigen Enttrümmerungs- und Trümmerverwertungsmaßnahmen.

 

Den größten Raum in der Veröffentlichung nimmt die Zeitspanne von 1950 bis zur Mitte der 1960er Jahre ein, in der Hanau die zerstörten Bauwerke meist durch funktionale Neubauten ersetzte oder die erhaltene Bausubstanz mit einer modernen Innenraumkonzeption neuartig zu nutzen suchte. Dabei zeichnet die Arbeit ein breites Bild der Wiederaufbauaufgaben und beschränkt sich nicht nur auf die gängigerweise untersuchten Phänomene wie den Umgang mit historischer Bausubstanz, den Wiederaufbau der Innenstädte, die Wiederaufbauplanungen und den Wohnungsbau, sondern bezieht darüber hinaus von der Forschung meist stiefmütterlich behandelte Bauaufgaben wie die Instandsetzung und den Wiederaufbau von Krankenhäusern, Altenstiften, Schulen, Kinos, Sportstätten, Gewerbe- und Industriebetrieben, Behördenbauten, Versorgungs- und Verwaltungseinrichtungen (Energieversorger, Schlachthof, Hafen oder Banken) mit ein.

 

Die Darstellung der Bauaufgaben ist in die jeweiligen sozialen und gesellschaftlichen Fragestellungen und Ereignisse der Zeit einpasst. So erläutert Häfner in einzelnen Abschnitten den politischen und kulturellen Wiederaufbau, die Maßnahmen zur Enttrümmerung, die Bestrebungen zur Neuordnung des Verkehrswesens, die Bemühungen zur Finanzierung der Bauaufgaben, das Wohnen im Wiederaufbau, die Belebung des kulturellen Lebens durch die wiederaufblühende Vereinstätigkeit ebenso wie die Kritik an den Baumaßnahmen.

 

Den mehreren Synthesekapiteln wird die Hanauer Vorgehensweise mit dem bundesdeutschen Kontext und insbesondere den drei hessischen Städten Darmstadt, Gießen und Kassel verglichen. Abschließend werden die Besonderheiten des Hanauer Wiederaufbaus im Vergleich zur bundesdeutschen Wiederaufbaugeschichte herausgestellt: Insbesondere den frühzeitigen Abschluss der Wiederaufbauplanungen und ein gesondertes Aufbaumodell, den funktionalen Anpassungsneubau, der jede Baumaßnahme hinsichtlich Funktionalität und Wirtschaftlichkeit des Bauwerks bewertete, charakterisieren die Hanauer Vorgehensweise. Ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie zahlreiche Abbildungen runden die Publikation ab.

 

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